{"id":452,"date":"2015-08-29T20:35:53","date_gmt":"2015-08-29T19:35:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreaskurz.at\/?page_id=452"},"modified":"2015-08-31T21:25:08","modified_gmt":"2015-08-31T20:25:08","slug":"lyrik","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.andreaskurz.at\/?page_id=452","title":{"rendered":"LYRIK"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Vielzahl von Gedichten entstand seit den Anf\u00e4ngen der literarischen T\u00e4tigkeit. Die meisten waren es nicht wert, gedruckt zu werden. Ein paar wenige schon.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #a30b0b;\"><strong>tauben nach einem schuss<\/strong><\/span><\/p>\n<p>ich kann meinen augen nicht trauen.<br \/>\nwas f\u00fcr ein regen platzt da vom grauen<br \/>\nhimmel und l\u00e4sst den markt (auf dem ich<br \/>\ngerade noch ging) mit einmal auseinander stieben.<br \/>\nwie tauben nach einem schuss.<br \/>\ndie hier bis vor kurzem noch handel trieben,<br \/>\nraffen an sich,<br \/>\nwas ins trockene muss.<br \/>\nin schweren hieben<br \/>\nschl\u00e4gt das wasser am boden auf.<br \/>\nschluss mit verkauf.<\/p>\n<p>gleich neben mir, in der mitte<br \/>\nder stra\u00dfe, sehe ich eine mit rotem lampion,<br \/>\ndie feine wei\u00dfe scherenschnitte<br \/>\nund f\u00e4cher auf ihrem wagen vertreibt.<br \/>\nes geht ihr wie allen:<br \/>\nganz \u00fcberfallen<br \/>\nist sie vom vielen wasser. wer geht, wer bleibt?<br \/>\ndie ware wird nass. voll hast<br \/>\npackt sie den h\u00f6lzernen karren.<br \/>\nselbst die d\u00e4cher der h\u00e4user knarren<br \/>\nunter der w\u00e4ssrigen last.<\/p>\n<p>nimm deine beine und lauf,<br \/>\nyuemin,<br \/>\n(so taufe ich sie insgeheim)<br \/>\nnimm deine sachen<br \/>\nden roten lampion,<br \/>\ndie f\u00e4cher, die schnitte und fl\u00fcchte dorthin,<br \/>\nwo auch die anderen h\u00e4ndler schon<br \/>\nwarten und gemeinsam hoffen,<br \/>\ndass bald der regen verschwindet.<\/p>\n<p>doch yuemin bindet<br \/>\nerst eine plane auf ihren offnen<br \/>\nwagen. wenn nur der wind schnell ein ende findet.<br \/>\nder himmel hat solch eine kraft, kaum zu glauben!<\/p>\n<p>aus einem laden mit \u00e4pfeln und trauben<br \/>\nzeigen zwei kinder unumwunden<br \/>\nmit ihren fingern auf yuemin.<br \/>\ndas helfen ist hier noch nicht erfunden.<br \/>\nlinks und recht stolpern die leute vorbei.<br \/>\ngro\u00dfes geschrei,<br \/>\nein dr\u00e4ngen und rempeln.<\/p>\n<p>der sturm kommt in st\u00f6\u00dfen.<br \/>\nund yuemin rennt.<br \/>\nkann keiner den regen bez\u00e4hmen?<br \/>\ndie ware soll nicht noch mehr schaden nehmen.<\/p>\n<p>erhaben (auf stelzen) und laut (mit rumor)<br \/>\nverl\u00e4uft der highway durch die stadt.<br \/>\ndrauf fahren und spritzen<br \/>\ndie autos empor,<br \/>\nund aus allen ritzen<br \/>\nschie\u00dft wasser hervor.<br \/>\nund yuemin l\u00e4uft lautlos.<br \/>\ndas plastik hebt sich und flattert.<br \/>\nund alles wird nass. (nichts mehr zu machen.)<br \/>\nwer den rechten moment verpasst,<br \/>\nergattert<br \/>\nzum schluss keinen trockenen platz.<br \/>\nund yuemin rennt.<br \/>\nrennt unter den highway.<br \/>\nda stehen die h\u00e4ndler und h\u00e4ndlerinnen<br \/>\nam trockenen, hellen fahrbahnbeton<br \/>\nund irgendwo dort, inmitten, drinnen,<br \/>\nverschwindet der rote papierlampion.<\/p>\n<p>ich sehe zwei kinder, sie baden<br \/>\ndie f\u00fc\u00dfe. drei alte daneben beklagen<br \/>\nden schaden.<br \/>\nnur wer einen festen laden<br \/>\nhat, kann jetzt noch lachen.<br \/>\nman sollte die stadt f\u00fcr yuemin \u00fcberdachen.<\/p>\n<p>ich gehe unter den d\u00e4chern dahin<br \/>\nund sehe einen moment lang &#8230;<br \/>\nja, wen? &#8230;<br \/>\nyuemin,<br \/>\ndie frau mit den f\u00e4chern? &#8230;<br \/>\nim trubel stehn.<\/p>\n<p>die stra\u00dfe unter dem highway: versperrt<br \/>\nvon dutzenden karren und w\u00e4gen,<br \/>\ndie alle hier eine zuflucht suchen.<br \/>\nes tutet und pl\u00e4rrt,<br \/>\nes fluchen<br \/>\ndie fahrer der autos. wie sehr<br \/>\nsie auch hupen, wie sehr<br \/>\nder verkehr<br \/>\nsich auch staut auf den wegen,<br \/>\nhinaus in den regen<br \/>\nwill keiner mehr.<\/p>\n<p>nun hab ich das m\u00e4dchen, das neben mir rannte,<br \/>\n(und das ich als yuemin benannte)<br \/>\ntats\u00e4chich aus den augen verloren.<br \/>\ndie ware ist bestimmt ganz zerschuden.<br \/>\nich warte. und schaue die stra\u00dfe entlang.<br \/>\n\u00fcber dem abfluss zieht wasser in runden.<\/p>\n<p>der himmel gibt zeichen.<br \/>\nkaum weichen<br \/>\ndie wolken, brennt wieder<br \/>\ndie sonne hernieder.<br \/>\nnoch rei\u00dft der wind recht rauh<br \/>\nan den haaren.<br \/>\ndie h\u00e4ndler, sie fahren<br \/>\ntrotzdem hinaus. sie l\u00f6sen den stau<br \/>\nund reiben sich trocken<br \/>\nund hocken<br \/>\nsich hin, um dem gesch\u00e4ft,<br \/>\ndas sie treiben,<br \/>\nzu dienen.<\/p>\n<p>nur yuemin, das m\u00e4dchen,<br \/>\nist nicht unter ihnen.<\/p>\n<p>(shanghai, august 2013)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #a30b0b;\"><strong>novemberbaum<\/strong><\/span><\/p>\n<p>mit den grauen,<br \/>\nalten<br \/>\nklauen<br \/>\nbitten seine kalten,<br \/>\nschlanken, hoffnungslosen,<br \/>\nmooskranken pranken<br \/>\ndich doch noch ein letztes mal<br \/>\n\u00e4rmlich um dein erb\u00e4rmliches almosen.<\/p>\n<p>(wien, november 2010)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>weiteres folgt&#8230;<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Vielzahl von Gedichten entstand seit den Anf\u00e4ngen der literarischen T\u00e4tigkeit. 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